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Die Gemeinde Pliening

und die historischen Wurzeln ihrer Ortschaften

Die Einwohner unserer Gemeinde verteilen sich auf die Hauptorte Pliening, Gelting, Landsham und Ottersberg sowie auf die Weiler und Einöden Geltinger Au, Unterspann, Gigging, Gerharding und Erlmühle. Vereinzelte prähistorische Funde beweisen die Anwesenheit von Menschen bis in die Jungsteinzeit (3500 v. Chr.) im gesamten Gemeindegebiet. Die Bronzezeit (2000 bis 1200 v. Chr.) brachte überregionalen Handel und bemerkenswerten Wohlstand für die oberen Schichten der Bevölkerung. Einer der dadurch entstandenen Weitwege schnitt auch unser Gemeindegebiet.

Vom Mangfallknie über Egmating und Zorneding kommend führte er an der Altmoräne entlang nach Finsing und Neuching, stieg bei Moosburg ins Isartal hinab, um weiter nach Niederbayern und in die Oberpfalz zu gelangen. Mit Säumerpferden, aber auch schon mit einachsigen Karren, wurden diese Strecken bewältigt. Gutes Weide- und Ackerland links und rechts dieser uralten Verkehrswege lud zum Verbleiben und Siedeln ein. Das weite, undurchdringliche Moor bot Schutz nach Norden.

Kein Wunder, dass die Plieninger Flur zum bevorzugten Siedelland geworden ist.

Pliening, ältestes Siedelland

Die Urzelle des Dorfes lag südlich der Kirche. Ein nahezu baumloser Streifen trockenen Graslandes zwischen den undurchdringlichen Wäldern im Süden und dem Moor im Norden bot günstige Gelegenheit für die Schafzucht. Die Menschen kannten die Bronze und bestatteten den Leichenbrand in Urnen.

Die Wissenschaft nennt diese Volksgruppe Urnenfelderleute und hat die Blüte ihrer Kultur zwischen 1200 und 850 v. Chr. nachweisen können. Nach Abraum der Humusschicht und Rotlage zeichnen sich die Grundrisse ihrer Häuser allenthalben auf der hellen Kiesfläche ab. Man fand ihre Siedlungsspuren unter der Kirche zum hl. Kreuz, aber auch noch etwa 1 km weiter südlich bei der gemeindlichen Kiesgrube.

Ebenso stellte der Archäologe Beweise ihrer Anwesenheit östlich der Poinger Straße zwischen Ottersberg und Gelting fest. Dass die Besiedlung kontinuierlich weiterbestand, beweisen Funde im Neubaugebiet „Am Heckenacker” östlich der Neufarner Straße. Die Kultur der Hallstattleute ist hier durch ihre hinterlassene Keramik gesichert.

Die Höfe müssen sich durch reichen Viehbestand ausgezeichnet haben. Im künstlichen Tränkbach wurde das Wasser von der starken Urtelquelle am Hang herbeigeführt. Die Epoche der Hallstattleute wird in die Zeit von 850 bis 500 v. Chr. eingereiht und leitet nach neuesten Erkenntnissen auch ethnisch unmittelbar in die Zeit der Kelten über (500 v. Chr. bis 50 n. Chr.).

Jahrhunderte später hatte sich die Bebauung weiter verdichtet und offenbar im Gebiet des heutigen Ortsteils „Am Seelkopf“ zum Dorf konzentriert. Beweis hierfür ist ein tiefer Spitzgraben, der, später hinterfüllt, bei Erdaushub mehrfach angeschnitten wurde. Es kann sich nur um eine vorgeschichtliche Befestigung handeln, die in Kriegszeiten Schutz bot. Als die Römer unsere Heimat ihrem Reich einverleibt hatten (50 n. Chr. bis 400 n. Chr.), lag der Graben noch offen da. Eine Reibschale, wie sie im römischen Heer tausendfach Verwendung fand, wurde aus der Grabensohle geborgen. Seit dem Nachweis einer römischen Staatsstraße, die von Denning und Aschheim kommend am Moosrain entlang über Pliening nach Finsing und Neuching führte, ist die Anwesenheit kelto-römischer Menschen umso mehr gesichert.

Um 400 n. Chr. brach die römische Staatsmacht in diesem Teil des Reiches endgültig zusammen. Chaotische Jahrzehnte der Zerstörung und des Durchzugs fremder Bevölkerungsgruppen folgten. Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Wenn der Ackerboden für die nachwachsende Generation nicht mehr auszureichen schien, packte man sein Hab und Gut auf den Ochsenkarren und zog mit den Herden weiter. Die Luftbildarchäologie zeigt das unstete Werden des nunmehr bajuwarischen (bayerischen) Dorfes Pliening recht eindrucksvoll. Wiederum nahmen die eingewanderten Neusiedler zunächst das Land an der alten Straße in Besitz. Spuren von Wohnhäusern, Scheunen und Grubenwerkstätten in großer Zahl finden sich an der Poinger und Neufarner Straße bis an die heutigen Orte hin. Die Luftbilder zeigen eine lose Streusiedlung. Eine kleine Schar aus dem Westen gekommener Alemannen war gewillt, hier herrenloses Ackerland unter den Pflug zu nehmen, sesshaft zu werden, Eigentum zu bilden und es für die Nachfahren zu bewahren. Da auch die umgebenden politischen Zustände stabil geworden waren (Herrschaft der Goten, später der Franken), konnte ein friedlicher Aufbau beginnen. Die ordnende Hand einer feudalen Herrschaft griff ein. Der alemannische Sippenführer Pleonunc, ein adeliger Mann, wählte als Bauplatz für die Häuser seiner Leute das Gelände etwas nördlich der bestehenden Siedlung.

Der Viertelbach, in der Trasse der heutigen Raiffeisenstraße von Süden kommend und dem Moos entgegenfließend, war als Viehtränke nicht weit entfernt. Als Ursache häufiger Überschwemmungen wollte man ihm jedoch nicht zu nahe sein. Das einfache Volk folgte dem Herrn, verließ die zerstreuten Hütten und siedelte sich um die Feudalhöfe an. Es entstanden die Urhöfe Sellmayr, Wunsam und Wolfram; sie sind bis in unsere Tage erhalten.

Pleonunc wurde namensgebend für sein Dorf. „Pleoningas“ (= bei den Leuten des Pleonunc) nennt es der Notar Cozroh viele Jahre später. Die südlicheren Anger, uralte Siedlungsplätze, dienten den noch heidnischen Bauern 200 Jahre lang als Bestattungsplatz für ihre Toten. Um 700 zu Christen geworden, gaben die Menschen diese Reihengräberfriedhöfe auf. Hofeigene Privatfriedhöfe wurden angelegt. Tatsächlich fanden sich bei Erdarbeiten auf dem Wolframhof mehrere beigabenlose Gräber. Als sich die Amtskirche schließlich etabliert hatte, brachten die Angehörigen ihre Toten zum Begräbnis in die Nähe des neuen christlichen Gotteshauses. Das alte Reihengräberfeld geriet in Vergessenheit und wurde zu Acker und Wiese. Doch immer wieder wurden die flachen Gräber vom Pflug angerissen und Totenschädel ausgeackert. So erklärt sich der alte Flurname „Seelkopf“. Im Jahre 1972 legten Archäologen 200 Gräber frei, hoben kostbare Grabbeigaben und sicherten historische Erkenntnisse.

Große Mengen von Eisenschlacken, 1986 beim Bau des Sparkassengebäudes geborgen, zeigen, dass auch entlang des Viertelbaches früh gesiedelt wurde. Damals noch vorhandene Raseneisenerzvorkommen im heutigen Tratmoos und reichlich Holz aus den dichten Wäldern auf der Moräne bildeten die Grundlage einer frühmittelalterlichen Eisenverhüttung. Ein erstes Gotteshaus zu Pliening am Platz der heutigen Kreuzkirche ist von der Archäologie für das Jahr 1000 n. Chr. bezeugt. Es war ein Holzbau, auf einen Schwellenkranz errichtet, von der Größe der heutigen romanischen Kirche. Es hat den Anschein, dass die Sippe des Pleonunc als Herren- und Haupthof einen Platz mehrere hundert Meter weiter östlich am fruchtbaren Moränenhang bei der heutigen Geltinger Kirche wählte: den heutigen Zehmerhof. Zu Christen geworden, bauten die Nachfolger hier ihre Eigenkirche, die Bischof Hitto im Jahr 813 annahm. Dieser Plieninger Ortsteil wurde in frühester Zeit auch zum Zentrum der Seelsorge sowie zum Tauf- und Begräbnisplatz. Man nannte ihn Kirchpliening im Gegensatz zum westlicheren Moospliening.

Erst im 15. Jahrhundert bürgerten sich die heutigen Ortsnamen ein. Der anfangs nur für den nördlichen Ortsteil zutreffende Name Gelting wurde nun auch auf das alte Kirchpliening ausgedehnt. Die Unterscheidung zwischen Kirch- und Moospliening konnte entfallen.